Fluch und Segen können in der Forschung eng beieinander liegen. Ein Beispiel ist das CRISPR/Cas-System, das von der Zeitschrift Science zum wissenschaftlichen Durch­bruch des Jahres 2015 erklärt wurde, obwohl die Technik bereits vor einigen Jahren entwickelt wurde.

Mit dem CRISPR/Cas-System lassen sich gezielt Gene aus dem Erbgut heraus­schneiden und durch andere ersetzen. Damit könnten im Prinzip hämatologische Erbkrankheiten wie die Sichelzellanämie oder die Thalassämie korrigiert werden. Vielleicht ließen sich auch Stoffwechseldefekte wie die Tyrosinämie lindern. In diesem Jahr ist mit dem CRISPR/Cas-System gelungen, Retroviren aus dem Genom von Schweinen zu entfernen, was die Sicherheit von Xenotransplantationen erhöhen könnte.

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Die Technik könnte aber auch Eltern zu einem Designer-Baby verhelfen mit der gewünschten Haut- und Haarfarbe. Das wäre noch das geringste Risiko. Wenn CRISPR/Cas-System an Keimzellen eingesetzt würde, was, wie im April herauskam, in China bereits versucht wurde (ohne allerdings die Embryonen zu implantieren), würde der Genpool der Spezies Mensch auf Dauer verändert.

Mit unvorhersehbaren Folgen, denn jede Technik ist, vor allem wenn sie neu ist, mit Fehlern behaftet, wie die chinesischen Forscher erfahren mussten: Ihr Versuch, den Gendefekt der Beta-Thalassämie zu reparieren, war nur in vier von 54 Embryonen gelungen. Es lässt sich derzeit nur spekulieren, was geschehen würde, wenn vielleicht in guter Absicht Gene an der falschen Stelle des Genoms eingebaut und das Krebs­wachstum antreiben würden wie dies bei der Gentherapie vor einigen Jahren geschehen ist. Ein internationales Forschergremium forderte deshalb im Dezember ein vorläufiges Moratorium der CRISPR/Cas-Technologie. Allerdings nur für den Einsatz an Keimzellen.

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